Die Erstbesteigung des Broad Peak 8047m durch die österreichische ÖAV Karakorum Expedition 1957 ohne Sauerstoffgeräte, ohne Hochträger, ohne Basislagerhilfe am 9. Juni 1957 durch Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl.  
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Broad Peak 8047m Nachrichten und Veranstaltungen. Treffen Sie die Mitglieder der Österreich-ischen ÖAV Karakorum Expedition 1957 und holen Sie sich die neuesten Nachrichten über den Broad Peak.

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Frau Achttausend

(06.03.2006)

OÖN: Eine "Spiegel"-Reportage über Sie und die Spanierin Edurne Pasabán hat das Wettrennen eröffnet, wer die erste Frau auf allen 14 Achttausendern sein wird.

Kaltenbrunner: Dieser Bericht hat mein Leben verändert, weil viele andere Medien das zu einem Wettrennen hochstilisiert haben. Beim Bergsteigen kann man nicht von einem Wettkampf oder von einem Rekord reden. Bergsteigen lebt man, es ist meine ganz große Leidenschaft.

OÖN: Hat sich der Druck seitens der Sponsoren erhöht?

Kaltenbrunner: Für die Sponsoren war das sehr gut, weil ich Fernsehauftritte in den deutschen Sendern hatte. Ich lasse mir aber keinen Druck auferlegen. Das wäre viel zu gefährlich. Wenn ich da oben mit dem Gedanken unterwegs wäre, dass ich da jetzt hinauf kommen muss, um für die Sponsoren etwas zu tun, wäre ich nicht mehr ich, nicht mehr so unbeschwert.

OÖN: Ist Höhenbergsteigen Wahnsinn?

Kaltenbrunner: Als solchen würde ich es nicht bezeichnen, obwohl ich den Ausdruck „Wahnsinn“ oben schon verwende, aber weil es so klass ist. Ich denke nicht darüber nach, ob das, was ich tue, ein Wahnsinn oder außergewöhnlich ist. Ich mache es, weil es mir taugt, und ich jetzt auch davon leben kann.

OÖN: Sehen Sie es als Sport?

Kaltenbrunner: Ich rede zwar davon, dass ich trainiere. Dabei mache ich aber das, was ich sowieso gern tue. Beruf und Hobby vermischt sich. Wenn ich Rad fahren, Skitouren, Eisklettern oder Laufen gehe, dann brauche ich mich dazu nicht motivieren. Ich habe mein Ziel im Kopf - am 3. April starten wir zum Kanchendzönga (8586 Meter) - und da kommt das von ganz allein, dass ich was tue. Wenn ich drei Tage nichts mache, werde ich unruhig.

OÖN: Wie wär’s mit einem Wochenende vor dem Fernseher?

Kaltenbrunner: Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen.

OÖN: Wenn man vom Bergsteigen lebt, wovon lebt man da?

Kaltenbrunner: Von den Sponsorverträgen und von den Diavorträgen, die in letzter Zeit extrem zugenommen haben. Im vorigen hatte hatte ich im Februar und März sechs Vorträge, heuer sind es 21. Aber auch Fotohonorare, Fotoshootings, Fernsehauftritte.

OÖN: Warum ist einmal von neun und dann wieder von acht Auchttausendern die Rede, die Sie bestiegen haben?

Kaltenbrunner: Ich habe acht Hauptgipfel und den Broad-Peak-Vorgipfel bestiegen, der nur um neun Meter niedriger als der Hauptgipfel ist. Bis vor einem Jahr war das überhaupt kein Thema. Eine Neuseeländerin, die in Kathmandu lebt und die Statistiken für Besteigungen macht, hat mir gesagt, dass nur die Hauptgipfel zählen, wenn es um alle 14 Achttausender geht.

OÖN: Stört Sie das?

Kaltenbrunner: Überhaupt nicht. Mit dem Ralf (ihr Lebens- und Expeditionspartner Ralf Dujmovits, Anm.) habe ich eine schöne, noch unbestiegene Route auf den Broad Peak entdeckt. Also freue ich mich darauf, dass wir etwas probieren können, das noch keiner gemacht hat. Außerdem möchte ich sowieso ins Karakorum, denn der K2 steht auch noch dort drinnen.

OÖN: Auf dem Gipfel des K2 ist mit Alfred Imitzer 1986 einer geblieben, der auch aus Spital am Pyhrn war. Kreisen darum Gedanken?

Kaltenbrunner: Ich denke daran, aber es blockiert mich nicht. Auch an der Annapurna, wo ich vor zwei Jahren war, sind schon viele Leute hinten geblieben.

OÖN: Wie beschäftigen Sie sich mit dem Thema Tod?

Kaltenbrunner: Zum Teil sehr intensiv. Wir sprechen immer das Im-schlechesten-Fall-Szenario vor einer Expedition durch, denn wenn einer umkommt, da hängen ja viele Sachen dran für den, der zurück bleibt.

OÖN: Es gibt Leute, die wissen schon heute, welche Musik zu ihrem Begräbnis gespielt werden soll.

Kaltenbrunner: Soweit bin ich noch nicht. Aber wenn ich drüben umkomme, dann möchte ich auf keinen Fall, dass sie mich herunterziehen und nach Österreich fliegen. Da hätte ich schon lieber eine Gletscherspalte.

OÖN: Zum Berg hat Sie der Pfarrer gebracht. Woran glauben Sie?

Kaltenbrunner: Ich bin gläubig und brauche es, an etwas zu glauben. Ich nenne es Gott, ein anderer Allah, aber letztendlich ist alles eins. In schwierigen, gefährlichen Situationen merke ich, dass ich glaube. Da stehe ich Gott sehr nahe.

OÖN: Wann passierte der Schritt vom Bergwandern zum extremen Bergsteigen?

Kaltenbrunner: Ich bin zur Alpinistengilde der Naturfreunde gekommen. Bei zwei Naturfreunde-Expeditionen war ich dabei, am Cho Oyu (8188 Meter) und am Makalu (8485 Meter).

OÖN: Was denkt man in eisigen, stürmischen Zeltnächten?

Kaltenbrunner: In der Nacht vor dem Gipfelgang kann und will ich oft gar nicht mehr schlafen. Da bin ich innerlich so positiv angespannt, dass ich es nicht mehr erwarten kann, dass es endlich los geht.
Voriges Jahr, in der Sisha Pangma-Südwand mussten wir zwei Nächte zu dritt im engen Zelt zuwarten. Das Umdrehen mussten wir auf Kommando machen. Das war fast wie in einem Käfig. Runter konnten wir nicht, weil ständig Lawinen hinunter gedonnert sind. Da bleibt einem nur die Hoffnung, dass das Wetter schöner wird, um weitersteigen zu können. Tagsüber haben wir uns da stundenlang übers Essen unterhalten. Wir hatten großen Hunger, und da oben essen wir alle nur mehr Babybrei in der Früh, ein fertiges Erdäpfelpürree am Abend, und zwischendurch gibt’s einen Riegel oder Manner-Schnitten.
Da kommen einem Gelüste nach Schweinsbraten oder Pommesfrites - Sachen, die ich daheim überhaupt nicht esse.
Und oft kommen mir auch Gedanken an die Familie.

OÖN: Wie schaut’s mit der Hygiene aus?

Kaltenbrunner: Ich glaube schon, dass ich mich sehr gut pflege, aber da oben ist das einfach nicht mehr so wichtig. Da nimmt man nur das Allernotwendigste mit, ein Zahnbürstl, ein Packerl Reinigungstücher. Es zählt nur, dass es dir einigermaßen gut geht, dass du nicht Kopfweh hast, dass du genug zu trinken hast, dass dir warm ist. Da sind einem nur noch Grundbedürfnisse wichtig. Man fühlt sich auch nicht so dreckig, weil man da oben nicht mehr richtig schwitzt.
Danach passiert es mir aber oft, dass ich eineinhalb Stunden dusche.

OÖN: Haben Sie etwas Persönliches mit?

Kaltenbrunner: Ein Armband, das für Kraft, Energie, Erfolg und Gesundheit steht, und das ich vor Jahren von einer Freundin gekriegt habe. Und einen Nussschnaps, das ist ganz gut für den Darm.

OÖN: Sie hätten es sich leicht machen und den Mount Everest über die Hauptroute versuchen können?

Kaltenbrunner: Als ich im Vorjahr gesehen habe, was da am Normalweg los ist, bin ich noch mehr bestärkt, den nicht zu nehmen. Wenn da 50 Leute in einer Schlange mit künstlichem Sauerstoff unterwegs sind, dann ist das nicht meins.

OÖN: Schauen Sie auf gesunde Ernährung?

Kaltenbrunner: Ja. Ich schaue, dass ich jeden Tag wahnsinnig viel Obst und Gemüse esse. Ich esse kaum Fleisch, weil es mir nicht schmeckt. Ich nehme viele Vollkornprodukte zu mir und Nudeln. Süße Sachen sind mein Laster: Kaiserschmarrn, Germknödel, Mohnnudeln, Schokolade.

OÖN: Wie sehen Sie die Rolle der Frau in der Männerdomäne Bergsteigen?

Kaltenbrunner: Ich fühle mich recht wohl und werde auch gut akzeptiert. Mittlerweile werde ich auch oft schon um Rat gefragt, um meine Taktik.

OÖN: Was sagt die Familie zu Ihrem Beruf?

Kaltenbrunner: Sie haben es von Anfang an akzeptiert, aber sich nicht vorstellen können, was es mir gibt, dass ich dafür einen Haufen Geld ausgebe, mich anstrenge, die Gefahr eingehe, mir etwas abzufrieren oder womöglich nicht mehr zurück zu kommen. Aber sie haben mittlerweile gemerkt, dass ich ohne das gar nicht leben kann.

OÖN: Haben Sie Angst vor Erfrierungen?

Kaltenbrunner: Das nicht, aber ich beschäftige mich internsiver damit, da ich mir bei der letzten Expedition am Gasherbrum II die Zehen ziemlich angefroren habe, sodass sie oberflächlich schwarz geworden sind. Da muss ich mir für den Kangchendzönga etwas einfallen lassen, das ist ein sehr hoher und kalter Berg. Ich bin da jetzt viel empfindlicher . Wie ich vor wenigen Tagen vom Skaten bei minus 10 Grad zurückgekommen bin, hatte ich ganz blaue Zehen.

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Autor: OÖNachrichten


 

 

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