Die Erstbesteigung des Broad Peak 8047m durch die österreichische ÖAV Karakorum Expedition 1957 ohne Sauerstoffgeräte, ohne Hochträger, ohne Basislagerhilfe am 9. Juni 1957 durch Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl.  
Broad Peak
Expedition 1957
Tagebücher
Goldenes Jubiläum
News
 



Sprachauswahl:

 News

Broad Peak 8047m Nachrichten und Veranstaltungen. Treffen Sie die Mitglieder der Österreich-ischen ÖAV Karakorum Expedition 1957 und holen Sie sich die neuesten Nachrichten über den Broad Peak.

Bitte beachten Sie unsere englische News Seite hat andere Beiträge.

Neues Buch über die Erstbesteigung

(11.06.2007)

Neues Buch über Broad-Peak-Erstbesteigung
Der Brite Richard Sale hat eine umfassende Dokumentation über die Ereignisse von 1957 geschrieben: "Broad Peak" - erschienen im Verlag Carreg Ltd, Ross-on-Wye 2007. Ausgabe in deutscher Sprache: ISBN 0953863158.

Reinhold Schmuck ist der Sohn des 2006 verstorbenen Expeditionsleiters Marcus Schmuck

Aus dem Vorwort von Reinhold Schmuck

... Ein Teilnehmer der Broad-Peak-Mannschaft, Hermann Buhl, hatte bereits 1953 den Nanga Parbat, den neunthöchsten Gipfel der Welt vom letzten Hochlager aus in einem waghalsigen Alleingang bezwungen.

Den 42 Stunden dauernden Gipfelgang überlebte er mit minimaler Ausrüstung und ohne Essen und Wasser ab einer Höhe von ungefähr 8.000 Metern.

Entgegen aller Logik hätte Buhl den Aufstieg nicht fortsetzen dürfen, als klar wurde, dass er auf dem Rückweg würde biwakieren müssen. Seine Erfahrung hätte ihm auch sagen müssen, dass er im Grunde keine Chance hatte, ein Biwak in dieser Höhe zu überleben.

Aber dennoch erreicht Buhl den Gipfel und kam zurück. Schon vor dem Nanga Parbat war er berühmt für seine sensationellen Leistungen in den Alpen, aber nach dem Nanga Parbat wurde er zur lebenden Legende.

Der Broad Peak sollte Buhls zweiter Achttausender werden. Damit ist er der zweite Mensch, der diese Leistung vollbracht hat (nach dem Sherpa Gyalzen Norbu), aber er ist damit der Erste, der an zwei Erstbesteigungen teilgenommen hat.

Gyalzen Norbu gehörte zwar zu dem Teil der Mannschaft, die den Manaslu als Erste bezwangen, aber den Gipfel des Makalu erreichte er erst einen Tag nach der Erstbesteigung durch andere Teammitglieder.

Der Broad Peak sollte auch Buhls letzter Gipfel sein, er starb beim Rückzug auf der Chogolisa, nur 18 Tage nach dem Gipfelgang am Broad Peak. Obwohl Buhl und sein Partner Diemberger als Vorbereitung auf die Besteigung Ausrüstung auf dem Weg zum Gipfel deponierten, muss auch die versuchte Besteigung der Chogolisa als beachtlicher Wendepunkt in der Geschichte des Bergsteigens im Himalaya betrachtet werden.

Buhls zweiter Achttausender und sein unmittelbar darauf folgender Tod am Berg bilden einen guten Teil seiner Legende.

Wenn man jedoch die Besteigung des Broad Peak nur als Schlusskapitel in Buhls Leben betrachtet, so wird man der wahren Bedeutung dieses Unternehmens keineswegs gerecht. Diese Leistung sollte sich als wegweisend für die spätere Praxis des Besteigens von Achttausendern herausstellen.

Aber unmittelbar nach dem österreichischen Erfolg am Broad Peak schien sich nichts verändert zu haben. Gasherbrum I, Dhaulagiri und Shisha Pangma (die letzten drei unbezwungenen Achttausender) wurden von großen Mannschaften mit Hilfe von Hochträgern und im Falle des Gasherbrum obendrein unter Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff bestiegen.

Die nächste Generation von Bergsteigern wiederholten nicht die von ihren Vorgängern begangenen Routen, sondern eröffneten andere, schwierigere Anstiege zu den Gipfeln des Himalaya – die Südwand des Annapurna, die Rupal-Wand des Nanga Parbat, die Süd- und Westwände des Manaslu, den Westpfeiler des Makalu.

Aber diese Unternehmen erforderten eine Rückkehr zur so genannten ´Belagerungstaktik´, die schon zum Erfolg der Erstbesteigungsmannschaften geführt hatte.

Erst im Jahre 1975 folgten der Südtiroler Reinhold Messner und sein österreichischer Partner Peter Habeler dem Beispiel Schmucks und Winterstellers, die in einem Zeitraum von fünf Tagen, vom Basislager auf dem Abruzzi- Gletscher in 5100 m Höhe aus, den Auf- und Abstieg in einem Durchgang bewältigten:

Das Messner/Habeler-Team nahm die Zweitbesteigung des Gasherbrum I auf einer neuen Route und ohne der Hilfe von Trägern und künstlichem Sauerstoff in Angriff.

Durch diesen Gipfelsieg wurde Messner zum ersten Bergsteiger der Geschichte, der drei Achttausender bezwungen hatte.

Das Habeler/Messner-Unternehmen wurde als Beginn eines neuen Zeitalters in der Geschichte des Bergsteigens betrachtet, in Wirklichkeit war es jedoch die logische Fortsetzung der Broad Peak- und Skil Brum Besteigung. Im Jahre 1957 hatten vier Österreicher 1800 kg Gepäck zu ihrem Basislager geschleppt.

Im Jahre 1975 erlaubte es die Entwicklung von leichterer Ausrüstung sowie die Fortschritte in der Zubereitung von speziellen Nahrungsmitteln, diese Last auf ein Gesamtgewicht von 180 kg zu reduzieren. Diese 90-prozentige Reduktion ermöglichte es ihnen, ohne Hochlager auszukommen und alles für den Aufstieg Nötige in zwei Rucksäcken zu tragen (was für die Österreicher im Jahre 1957 noch unmöglich gewesen war).

Die Dauer des Aufstieges für das letzte Teilstück und den anschließenden Abstieg am Broad Peak entsprach aber fast genau derjenigen, 18 Jahre später am Gasherbrum I.

Der Unterschied bestand allerdings darin, dass die Broad Peak-Lager bereits errichtet worden waren. Weitere Entwicklungen in Sachen Ausrüstung erlaubten Messner später, die Grenzen des Höhenbergsteigens noch weiter zu versetzen. Bei seinem Soloerfolg am Everest stand ihm nur das zur Verfügung, was er selbst auf seinem Rücken trug.

Die Heldentaten von Messner und späteren Bergsteigern neigen dazu, die Leistungen der Broad Peak-Mannschaft zu überschatten, vergessen zu lassen. Es ist naturgemäß unvermeidlich, dass sich auch das Bergsteigen weiterentwickelt, das passiert in jeder Sportart. Woran man sich aber erinnern sollte ist das Ausmaß des erreichten Fortschrittes der am Broad Peak im Jahre 1957 vollbracht wurde.

Auf den Gipfeln der Achttausender sollte es beinahe zwanzig Jahre und das außergewöhnliche Talent von Messner und Habeler brauchen, bis der Rest der Bergsteigerwelt Anschluss an diese Leistung finden konnte.

Heute scheint die Broad Peak-Besteigung in der langen Geschichte des Bergsteigens nur eine unter vielen anderen zu sein, das ist aber nur ein weiterer Aspekt in der Entwicklung des Sports. Die Großmeister von heute lassen die Glanzleistungen der Vergangenheit in einer eher bescheidenen Erinnerung erscheinen. Ebenso werden die Meister von morgen wohl auch die heutigen einmal in den Schatten stellen.

Die Besteigung des Broad Peak war aber ein Schlüsselereignis, sowohl in der Entwicklung des Bergsports, wie auch in der Legendenbildung um Hermann Buhl. Durch Buhls Bergsteigertod nahm diese Besteigung eine fast mystische Aura an:

Der große Bergsteiger führte eine kleine Truppe seiner Bewunderer zum Gipfelsieg. Nur hat es sich nicht ganz so abgespielt: Der Broad Peak war nicht Hermann Buhls Expedition, und er war letztlich auch gar nicht ausschlaggebend dafür, dass das Vorhaben erfolgreich verlief.

Die Tatsache, dass die Broad Peak-Expedition allein auf die letzte Bergfahrt in Buhls Leben reduziert wurde, stellt eine Ungerechtigkeit gegenüber den anderen Teilnehmern dar, insbesondere den beiden Männer, die von der Geschichte quasi vergessen wurden.

zurück


Autor: ORF

Weitere Informationen unter http://salzburg.orf.at/magazin/leben/stories/196979/


 

 

Links
|
Kontakt
|
Login
|
Auftrag
|
AGB
|
Statistik