Die Erstbesteigung des Broad Peak 8047m durch die österreichische ÖAV Karakorum Expedition 1957 ohne Sauerstoffgeräte, ohne Hochträger, ohne Basislagerhilfe am 9. Juni 1957 durch Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl.  
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Broad Peak 8047m Nachrichten und Veranstaltungen. Treffen Sie die Mitglieder der Österreich-ischen ÖAV Karakorum Expedition 1957 und holen Sie sich die neuesten Nachrichten über den Broad Peak.

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Große Werte am großen Berg

(11.06.2007)

Wenn man versucht, die Geschichte des Alpinismus zu betrachten und sich nicht in allzu vielen Daten, Fakten und Hintergründen verlieren will, so kann man eines doch zweifelsfrei erkennen: Die bergsteigerische Weiterentwicklung ließ sich nicht nur an den Triumphen, also den Taten an sich ablesen, sondern vor allem daran, mit welcher Idee die Ziele verfolgt wurden. Das scheint das eigentliche Mark jeder Pioniertat des Alpinismus zu sein. Nicht nur das Was entscheidet, sondern insbesondere das Wie. Und offensichtlich gibt es in diesem Zusammenhang noch eine Analogie. Denn es scheint, als wenn es eine entscheidende proportionale Gleichung unter den Akteuren gäbe, die besagt, je erfahrener, leistungsfähiger und kreativer Bergsteiger sind, umso eindeutiger sind ihre Vorhaben in klare und faire Wertvorstellungen eingebettet, oder schlichter reziprok ausgedrückt: Je mehr sie können, desto weniger wollen sie künstliche Hilfsmittel und Tricks einsetzen.

Gibt es einmal Auswüchse in die andere Richtung, kommt eine Avantgarde, die reduzieren will, die zu verzichten versucht. Die gleichen Alpinisten, die Routen in den Alpen möglichst freikletternd eröffneten, wollten sich auch den Himalajariesen mit fairen, ehrlichen Mitteln nähern. Ihren Stil, den »Alpenstil«, galt es genauso an den Weltbergen zu dokumentieren und jenseits schwerfälliger, technologisch überrüsteter Expeditionen diese Gipfel als Erste zu betreten. Es gab ja auch einige Anhaltspunkte, bei dieser Überzeugung zu bleiben. Vorstöße bis weit über die 8000 Meter, etwa durch Fritz Wiessner am K2 ohne Flaschensauerstoff oder natürlich Hermann Buhls legendärer Alleingang auf den Nanga Parbat, als er ebenfalls ohne Flaschensauerstoff als Erster den 8125 m hohen Gipfel betrat.

Genau dieser Hermann Buhl aus der Ramsau gehörte auch 1957 zu der Expedition, die im Himalaja Neues wagen wollte. Die Erstbesteigung des Broad Peak war das erklärte Ziel, im Mittelpunkt des Interesses aber stand die Art, wie sie hinaufkommen wollten! Als Klein-, ja Kleinstexpedition sollte der Berg erklommen werden, mit möglichst geringem finanziellen Einsatz, ohne Hochträger und selbstverständlich ohne künstlichen Sauerstoff. Als bewegliches und schlagkräftiges Team planten sie die Besteigung wie die Erstbegehung einer großen Alpenwand. Nur dass die Biwakplätze Hochlager hießen und der Rucksack ohne Weiteres einmal 25 kg schwer sein konnte. Und für so ein Projekt, für so ein Wagnis brauchte es erfahrene, konditionsstarke Protagonisten.

Da war Marcus Schmuck, ein durchsetzungsfähiger Mann am Berg wie im Leben. Ein Vollblutalpinist, der mit Alleingängen, Erstbegehungen, auch im Winter, von sich reden machte. Er stand mit Hermann Buhl in Kontakt, kletterte mit ihm, initiierte die Expedition am Broad Peak und beschaffte die Genehmigung. In der Folge wurde er der offizielle Leiter der nunmehr vom österreichischen Alpenverein organisierten Unternehmung, bei der Buhl die bergsteigerische Leitung übernehmen sollte. Fritz Wintersteller war ebenso dabei, ein starker, in sich ruhender bodenständiger Alpinist, der seine großen Qualitäten nicht nur im fernen Eis von Spitzbergen, sondern auch im schweren Fels der Heimat unter Beweis gestellt hatte.

Schließlich stieß noch Kurt Diemberger zum Team, mit 25 Jahren deutlich jünger als die drei anderen, aber zu diesem Zeitpunkt schon mit einem bergsteigerischen Background, der größte Hochachtung verlangte.

Eine Mannschaft, die sich am Berg zusammenraufte, die gegen alle Widrigkeiten den Erfolg suchte. Und den sollten sie auch haben. Wintersteller und Diemberger kamen am 29. Mai bereits bis zum 8030 m hohen Vorgipfel, doch weil es zu spät war, mussten sie zurück. Am 9. Juni 1957 wurde der Broad Peak dann zum ersten Mal bestiegen. Alle vier Alpinisten erreichten dabei an diesem Tag zeitversetzt den Gipfel! Fritz Wintersteller und Marcus Schmuck standen gegen 17 Uhr auf dem höchsten Punkt und später dann auch Kurt Diemberger und Hermann Buhl.

Damit nicht genug. Trotz der immensen Strapazen, die hinter ihnen lagen, waren sie noch berghungrig, schickten sich an zu demonstrieren, was in dieser Höhe alles »by fair means« möglich ist. Fritz Wintersteller und Marcus Schmuck bewältigten in lupenreinem alpinen Stil in einem 53-stündigen Kraftakt den Auf- und Abstieg am 7420 m hohen Skil Brum. Eine Tat, die dem heute fast 80-jährigen Wintersteller beinahe bedeutsamer zu sein scheint als der 8000er selbst.

Und dann die Katastrophe, der große, überaus dunkle Schatten, der sich auf diese so richtungsweisende Expedition legte. Bei dem Versuch von Kurt Diemberger und Hermann Buhl, den Chogolisa Peak (7654 m) zu erreichen, blieb einer der fähigsten Alpinisten aller Zeiten am Berg. Ein Wächtenabbruch wurde Hermann Buhl zum Verhängnis!
Auch wenn dieses Ereignis bis heute alle traurig stimmt, bleibt die Expedition ein Orientierungspunkt gerade auch für die junge Generation von Alpinisten, wie Bergführer und Höhenbergsteiger Ralf Dujmovits eindrücklich in Worte fasst: »Wer den Broad Peak bestiegen hat, wird die Einstellung der Erstbesteiger zu »ihrem Berg« mit anderen Augen sehen. Zwei Mal in kürzester Zeit auf 8000 Meter aufzusteigen, weil beim ersten Versuch »nur« der knapp 20 Meter niedrigere Vorgipfel erreicht wurde, zeugt von Ehrlichkeit, extrem sportlicher Einstellung und wenn man die damalige, noch sehr schwere Ausrüstung betrachtet, von überragender körperlicher Fitness. Hut ab!« Uli Auffermann

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Autor: Uli Auffermann

Weitere Informationen unter http://www.berchtesgadener-anzeiger.de/includes/mehr.php?id=4033


 

 

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