Die Erstbesteigung des Broad Peak 8047m durch die österreichische ÖAV Karakorum Expedition 1957 ohne Sauerstoffgeräte, ohne Hochträger, ohne Basislagerhilfe am 9. Juni 1957 durch Fritz Wintersteller, Marcus Schmuck, Kurt Diemberger und Hermann Buhl.  
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Die Tagebuchaufzeichnungen im Zeitraum vom 28. Mai 1957 bis zum 26. Juni 1957 beschreiben die Zeit vom ersten Gipfelangriff auf den Broad Peak Vorgipfel 8.030m, den Gipfelsieg am Hauptgipfel 8.047m, die Erstbesteigung des Skil Brum 7.360m und die letzten Eintragungen in Hermann Buhl's Tagebuch an der Chogolisa und seine handschriftliche Notiz vom 21. Juni 1957 an Marcus Schmuck. Das Protokoll von Kurt Diemberger über den tötlichen Unfall Hermann Buhls wurde am 28. Juni 1957 von Fritz Wintersteller aufgenommen.

Die Abschriften der authentischen Primärquellen und der veröffentlichten Sekundärquellen sind im oben genannten Zeitraum vollständig. Alle Bergsteiger haben ein Tagebuch geführt mit Ausnahme von Kurt Diemberger, der laut Tagebucheintrag von Hermann Buhl am 04. Juni 1957 kein Tagebuch schrieb.

Seit 2005 ist im englischen Sprachraum eine geschichtswissenschaftliche Diskussion der unterschiedlichen Tagebucheinträge der Bergsteiger und Abweichungen dazu in der Sekundärliteratur ein aktuelles Thema. Im Interesse der Allgemeinheit berichten wir über den Kernzeitraum (28. Mai bis 28. Juni 1957), in den alle historisch wichtigen Ereignisse der Expedition fallen, mittels vollständiger Abschrift aller Tagebucheinträge und des Protokolls.

Text unten: Fritz Wintersteller (Primärquelle: handschriftliche Tagebücher).

Lager III (28 Mai 1957)

Um 9h00 gehen wir los. Kurt und Hermann haben nur ihre persönliche Ausrüstung. Marcus und ich 2 Zelte mit Luftmatratzen, 2 Flüssiggasflaschen mit Anschlussgarnituren, und die gesamte Verpflegung noch zusätzlich. Bald haben wir aufgeschlossen und ich gehe ohne Seilversicherung mit 1 Last an Hermann vorbei, zum Blankeisgürtel, über dem laut Hermann ein geeigneter Zeltplatz sein soll. Doch das stimmt nicht es wird wohl etwas flacher aber von Zeltplatz keine Spur, 30° blankes Eis. Ich gehe die mühsam errungenen 200m zurück und errichte auf dem Grat das Lager III. Um 16h00 habe ich ein Zelt aufgestellt und gehe zurück zum Herrligkofferdepot, wo sich meine persönliche Ausrüstung und zum Leidwesen [der Kameraden] auch das Kochgeschirr befindet. Um 19h30 erreiche ich auf dem Zahnfleisch das Lager III und kann mir die Vorwürfe der Kameraden anhören. Kurt macht nun seine einzige kameradschaftliche Tat auf unserer Expedition und kocht Stunden Getränke für uns. Etwas spät kommen wir zum Schlafen. Ich falle hin wie ein Toter als ich mich um 10h30 zur Ruhe begebe.

1. Gipfelangriff (29 Mai 1957)

 Schon um 2h30 stört Hermann unsere Nachtruhe, er ist sehr nervös. Um 3h30 stehe ich auf und koche Tee und Ovomaltine. Pudding kann ich leider nicht kochen, weil dieser in der kleinen Schale übergehen und die Flamme verlöschen würde. Wurde mir v. K [Kurt] und H [Hermann] vorgehalten. Um 5h00 hauen Marcus und ich ab. Hermann holt noch eine Reppschnur mit 20m. Der Tag ist schön aber kalt, Marcus und ich spuren abwechselnd, ziehen die Windhosen an und Perlonüberschuhe. Von 9 - 10h00 halten wir Rast. H [Hermann] u. Kurt spuren ein kleines Stück empor und stehen bei einer Spalte an. Kurt prophezeit 2 stündige Eisarbeit, ich mache einen großen Schritt und die Sache ist erledigt. Ja der beste Eisgeher kann noch was lernen. Nun spuren Marcus und ich bis weit über die Knie, die anderen sind zu schwach uns abzulösen. Wir lassen die Rucksäcke zurück. Eine steile durchfelste Flanke, ich erreiche den Fels und komme durch eine Rinne auf die Scharte. Marcus schmeißt mir das letzte Stück das Seil herauf, so kann ich alle heraufsichern. Kurt dankt überschwänglich. Marcus wartet auf Hermann ich gehe mit Kurt zum Gipfel 18h30 ist er erreicht. Auf der anderen Seite geht es hinab. Um 20h15 bin ich im Lager um 21h30 die anderen.

(30. Mai 1957)

Noch wissen wir nicht genau ob wir gestern den Gipfel erreicht haben. Wenn ja, ist die Aufteilung der Ersteiger ungerecht. Marcus hätte ihn leicht dermacht [gemacht], er hat nur seine Persönlichkeit aus Kameradschaftlichkeit zu Hermann zurückgestellt. Eine ganz grosse kameradschaftliche Tat, denn die beiden kamen dann nur noch bis 30 m unter den Gipfel und es blieb ihnen der letzte Triumph versagt. Kurt hat mich obwohl er in der Spur ging dauernd um Pickel und Schistock angebettelt. Er hat gestern keinen Meter gespurt und behauptet sich beim Stufenhacken an den vergangenen Tagen sich völlig ausgegeben zu haben (Kuli Marcus und Fritz haben sich beim Schleppen ausgerastet). Am 30. Mai verlässt Marcus um 13h00 Lager III ich folge um 14h00 und komme sehr erschöpft um 15h00 im Lager II an. Um 17h00 kommen Hermann und Kurt. Während Marcus und ich noch in 2½ Stunden zum Basecamp absteigen bleiben Hermann und Kurt aus Erschöpfung noch im Lager II. Qader ist sehr erfreut und kocht uns Kaffee und Krautfleisch.

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Text unten: Hermann Buhl (Sekundärquelle: Achttausend drüber und drunter, Malik, München, 2005, Seite 334, ISBN 3890293034)

Fr. 31. 5. Um 8 Uhr auf, Wetter ist schlechter, steigen um ½ 10 Uhr ohne Frühstück ab. Rechts wieder Zelt ausgeschaufelt, Tage vorher Wächte gebrochen, jedoch unser Lager noch verschont. Steilhang unter Lager gefällt mir nicht mehr. Vieles bleibt im Lager 2 zurück. Auseinandersetzung mit Kurt, weil er trotz Ermahnung, statt sich am Schaufeln zu beteiligen, gleich die Steigeisen anzieht, mit der Begründung, er ist fertig. Muß auch heute Kurt antreiben, damit er weiterkommt. Abstieg sehr mühsam. Um 12 Uhr am Godwin- Austengletscher, hier stark verändert, weniger Schnee, Eistürme noch bizarrer, schon etliche Wassertümpel mit kleinen Gletscherseen, sehr schwül. Um 10 Uhr [Abends] im Basislager. Viel getrunken, gegessen und dann geschlafen. Kurt noch immer gleich apathisch, macht seit Tagen schon keinen Lacher mehr, als hätte man ihn kastriert, geht langsam auf die Nerven. Abends starke Auseinandersetzung mit Kurt, wegen Vernachlässigung seiner Pflichten, Kameradschaftsbegriff etc.

Im Essen ist Kurt noch immer gleich maßlos, trotz vieler Ermahnungen, und nimmt auf andere keine Rücksichten. Kadar [Qader] ist auf ihn auch nicht mehr gut zu sprechen, da [Kurt] ihn ständig um das Abspülen bittet und Kadar [Qader] ja nicht unser Putzmädchen, sondern unser Begleitoffizier ist. Kurt hat oft eine herausfordernde Art, und das einzig Positive an ihm ist sein Gesang. Man meint es ihm gut und er fasst es als eine Schikane auf, deswegen nimmt er auch nichts an, nur selten hat er so Lichtblicke, wo er wirklich selbständig arbeiten kann. Er ist eben noch zu jung.

Sa. 1. 6. Gut geschlafen, bis 11 Uhr mittags. Den ganzen Tag noch erholt, geschlafen, gegessen, getrunken, draußen stürmt es.

So. 2. 6. Basislager, lange geschlafen, gutes Essen, man freut sich von einer Mahlzeit auf die andere. Es gibt wieder einmal Pfanni. Mittags habe ich Reisfleisch gemacht, ganz gut gelungen. Habe Sorge um Lager 2 und 3, doch Lager 3 sieht man noch. Schreibe Post fertig. Anderntags gehen Postläufer nach Askole.

Mo. 3. 6. Gut geschlafen, im Basislager ist es erträglich, haben Wasser, untertags schon sehr warm, Platz apert immer mehr aus. Schreibe den ganzen Tag an Berichten, Ausrüstung instand gesetzt, schon gut erholt, doch Wetter ist nicht 100%. Es ist wohl schön, teilweise Sonnenschein, mittags der übliche Schneesturm von Konkordia [Concordia], aber abends wieder klar. Abends pfundige Musik im Radio. Gut geschlafen.

Di. 4. 6. Um 9 Uhr auf, Frühstück gekocht, dann kocht Markus [Marcus], Wetter diesig, milchig, warm, schreibe Tagebuch nach. Kurt bittet um Tagebuch, da er seit Skardu nachschreiben will, obwohl er am meisten Zeit hatte und ich ihn oft ermahnte, schrieb er nie Tagebuch.

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Text unten: Marcus Schmuck (Primärquelle: handschriftliche Tagebücher)

5.6. HL Vorzügliches Frühstück Kurt. Flicktag 2 Schlafsäcke, Hose, Trainingsanzug. Jeden Tag befestige ich die Zelte. Neuschnee geht in die Luft. Hermann singt im Zelt. Werbeaufnahmen werden gemacht. Seit langem wasche ich mich und putze die Zähne. Nachmittag fahre ich mit Qader Schi. Er ist sehr eifrig und schneidig doch dies ist auch nicht alles. Fritz richtet Hochlagerverpflegung her. Ein starker Wind reißt an unseren Zelten. Abends Schach welches ich planmäßig gegen Fritz verliere. Schlecht geschlafen Wind reißt an unseren Zelten böenartig.

 

6.6. HL – Savoja Bei gutem Wetter machen wir unseren Schiausflug auf den Savojagletscher. Herrlich ist es auf dem Harsch des Gletscherfirns bei noch nicht zu starker Sonne zu gehen. Wir kommen uns vor, wie bei uns irgendwo im Hochgebirge, ich erinnerte mich an die Silvretta. An der rechten Seite der Mittelmoräne gehen wir aufwärts. Viele Aufnahmen. Wir bekommen wieder Auftrieb. Schöne Sicht zum K2 und Broad Peak. Wir gehen bis auf 5400m. Auch gehen mit Schiern strengt hier sehr an. Zwischen den Spalten kommen wir bis zum Ende des steileren Gletschers. Wir fotografieren unseren Berg und nach kurzer Rast fahren wir zwischen den Brüchen kreuz und quer ab. Wild schaut der Godwin Austen Gletscher aus. Nach 1 ½ Stunden sind wir trotz aufgeweichtem Schnee um 12.30 wieder am HL. Sonne hat uns erwischt kein Wunder auf unserer kaum erholten Haut. 14.15 Mittagessen Kurt, Eierspeise gut. Nachmittag liegen wir in unseren Zelten. Abends bereiten wir uns für den neuerlichen Aufbruch in die Hochlager vor.

 

7.6. HL – L1 – L2 Wecker rasselt um 3.15. Fritz wuselt sich im Schein der Taschenlampe aus dem Schlafsack während ich halb wach noch das Aufstehen auf 3.45 verschiebe. Hermann und Kurt schlafen noch! Qader auf. Frühstücken. Fritz, Qader und ich ab HL 4.15. Wetter herrlich –10°C. Qader freut sich. Entlang des Gletschers leichter Harsch. K2 leuchtet bereits. In kurzer Zeit sind wir am Einstieg. Fritz findet Plastikschüssel. Qader kehrt auf Ersuchen um, da Rinne sehr eisig. Schnell gewinnen wir an Höhe um 7.15 erreichen wir L 1. Sonne geht gerade auf. Jause. Wir besprechen uns. Fritz stapft voraus um 8.30 weiter. Bruchharsch. Rast im Bruch. Sehr warm bereits gegen 12.00 erreichen wir verschneites L 2 aber grundsätzlich in Ordnung. Wir schaufeln die Zelte frei; große Schwerarbeit. Hermann und Kurt treffen um 14.00 ein. Fritz Kochstelle fertig, schlürfen Tee und Krautfleisch sehr gut. Liege im Schlafsack, gut tut die Rast am Nachmittag. Fritz ist mit dem Kochen beschäftigt. Hermann und Kurt machen Ihr Zelt. Leichte Eintrübung; abends Pfanni; Fußpflege, Wolkenstimmungen leichter Schneefall, Sonne kommt über die Wächte. Plaudern vor dem Zelt bis Sonnenuntergang leichter Nebel und Schneeflocken.

 

8.6. L2 – L3 6.15 stehe ich auf herrliches Wetter. –18°C. Koche Tee und Haferflocken. Langsam kriechen alle aus den Zelten. 8.45 ziehen wir erneut zum L III. Fritz spurt bis Köpfe. Langsam spuren Kurt und Hermann bis Eisfall hinauf. Wir stapfen nach, gegen 14.00 erreichen wir L III. Fritz ist längst hier. Unser Zelt ist aufgerissen; wir flicken prov. Letscho schmeckt gut. Kleine Aussprache. Schmiere meine Füße ein. Wunderbare Abendstimmung. Kurt kocht Tee. Schlafe verhältnismäßig gut. Im Nachbarzelt keine Ruhe. Alte Krämerei! Herrliche Mondnacht, wolkenlos.

Text unten: Fritz Wintersteller (Primärquelle: handschriftliche Tagebücher)


Tagebuchauszug 9. Juni 1957 © Fritz Wintersteller

Der II. Gipfelangriff (9 Juni 1957)

Pfingstsonntag und kein Wölkchen am Himmel. Besser hätten wir es nicht mehr treffen können. Um 4h00 verlassen wir das Lager. Noch haben wir die Schlafsackwärme in uns. Doch bald kriecht uns die Kälte in die Glieder. Es hat mindestens minus 30°. Obwohl wir warm angezogen sind und ständig steigen wird uns kalt. Marcus und ich gehen hinüber zum alten Aufstieg, während Hermann und Kurt auf der rechten Seite des Hanges emporsteigen. Um 8h30 sind wir auf 7500 m Höhe bei der großen Querspalte. Wir sind nun 2 Stunden schneller [früher] als das letzte mal. Hier wärmen wir uns die Zehen in der Sonne. Weiter geht es wieder und unter dem Schartenhang treffen wir mit den beiden zusammen, die ebenfalls angefrorene Zehen haben. Die 300 m zur Scharte und den Gipfelgrat spuren Marcus und ich gemeinsam. Um 16h00 sind wir am Westgipfel und um 17h05 auf dem 10 m höheren Ostgipfel. 17h45 kommt auch Kurt dorthin. Hermann begegnen wir am Westgipfel beim Rückmarsch. Um 20h00 bin ich wieder im Lager III. Marcus kommt um 20h30. Hermann und Kurt knapp nach Mitternacht.

Lager III - Basecamp (10 Juni 1957)

Um 9h30 verlassen Marcus und ich vollbepackt das Lager III. Wir haben unsere ganze Ausrüstung inklusive Zelt und Kochgerät mit um in einem Gang den Abbruch zu vollziehen. Um 11h00 sind wir im Lager II hundemüde und fertig. Etwas Flüssigkeit und heißer Ochsenmaulsalat sowie ein kleines Nickerchen bringen uns wieder soweit über den Damm, dass wir um 14h00 abhauen können. Zusätzlich zu unserer persönlichen Ausrüstung haben wir noch einen Seesack gepackt in dem 3 Zelte, 2 Luftmatratzen und 2 Schlafsäcke sind. Diesen lassen wir mit einem 40m Seil die Hänge hinunter. Einmal im Steilhang geht er frei und ich erwische ihn noch knapp. Größere Mühe bereitet uns der Quergang am Ende der Mulde. Doch um 17h00 passieren wir Lager I und um 18h00 sind wir bereits am Gletscherboden. Wobei sich beim Abstieg die starke Stollenbildung an den Eisen sehr unangenehm bemerkbar machte. Langsam auf teilweise neuer Spur wandern wir zum Basislager wo wir um 19h15 eintreffen. Qader ist hocherfreut.

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Text unten: Marcus Schmuck (Primärquelle: handschriftliche Tagebücher)

11.6. HL Während Fritz noch im Zelt mir sein Missgeschick des Ausschlages mitteilt, kocht Qader den Kaffee von gestern auf. Fritz schreibt in der Küche seine Grußkarten, ich trockne meine Bergausrüstung und Wäsche. Nachmittag schreib ich einige Grußkarten. Immer blicken wir hinauf auf die Schneehänge zwischen L 1 und L2 wo Kurt und Hermann im Abstieg durchkommen müssen. Um 11.30 sehen wir sie einzeln sehr langsam im Abstieg. Ist es Müdigkeit oder ist etwas passiert? Wir funken um 12.00 keine Verbindung. Gegen 14.00 erwarten wir sie. Sie kommen nicht. Warten sie vielleicht bessere Verhältnisse ab. Wir sind schon sehr in Sorge es ist bereits 18.00 und es ist von beiden nichts zu sehen. Plötzlich gegen 19.00 können wir sie in der Nähe des Lagers erkennen. Wir kochen. Müde, hungrig und durstig sind sie nun da. Hermann klagt über leichte Erfrierungen. Leider haben sie ihr Zelt in L 3 oben gelassen, ebenfalls L 2 und müssen daher nochmals hinauf. Müde gehen alle gegen 20.00 in die sehr veränderten Zelte.

 

12.6. HL – Schreibtag Trübes Wetter mit leichtem Schneefall bestätigt uns den richtigen Zeitpunkt unseres Gipfelangriffes. Gegen 9.00 stehe ich auf und koche. Kurt gibt Hermann um 10.00 vorbeugend eine Spritze in den linken Oberarm. Wir schreiben unsere Gruß- und Dankkarten. Zögernd unterschreiben Hermann und Kurt manche Karte. Scheinbar passt ihnen der Text nicht, doch gegen die Wahrheit gibt es nichts zu sagen. Neben unserem Zelt geht ein riesiger Gletschertisch in Brüche, das alles nur so kracht. Abends leuchtet unwirklich der K2 über dem Nebelmeer im Mondlicht, wie gerne möchte man oben sein, doch Gesundheit bedeutet mehr.

 

13.6. HL – Schreibtag Schon früh muss ich raus. Wetter etwas besser. Morgentoilette im Schlafsack. Nase, Mund und Ohren werden neben der anderen Gesichtshaut mit Creme gepflegt um das menschenähnliche Aussehen wieder zu gewinnen. Das Kämmen von Haaren und Bart wird nun auch begonnen! Heute erwarten wir Post, hoffentlich sind wir nicht so enttäuscht wie letztes Mal. Den ganzen Tag wird geschrieben. Abends kommen die Postläufer ein Hurra! Ein jeder ist auf seine Rechnung gekommen. Freude im ganzen Lager. In die Zelte zurückgezogen wird nun gelesen was es Neues zu Hause gibt. Dann geht es gleich an die Beantwortung der Briefe heran. Bis spät abends wird geschrieben.

 

14.6. HL – Schreibtag Gegen 9.00 geht die Schreibarbeit schon wieder los. Wir nehmen uns kaum Zeit zum essen. Um 15.30 wird erst Mittag gemacht. Nachher sitze ich bei Qader, während Hermann sich empört über die Zeitplanung. Es kommen nun seine Ehrgeizigen Komplexe zum Ausdruck. Diese waren besser über 7500m gewesen. Kurt spricht in vorlauter Form dazwischen. Man beruhigt sich wieder.

 

15.6. HL Sehr müde liege ich bis 8.00 im Schlafsack und dann wird Tagebuch nachgetragen und einige Karten noch geschrieben. Noch einige Briefe mussten geschrieben werden, damit die Post fertig gemacht werden kann. Wechselbäder in der Sonne! Kurt spritzt Hermann, wir fotografieren, Nadeln brechen. Kurt frisst rücksichtslos, wir amüsieren uns! Ich schneide Fritz die Haare. Wir vereinbaren die Porter  sollen am 5.7. eintreffen

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Text unten: Fritz Wintersteller (Primärquelle: handschriftliche Tagebücher)

Räumung Lager I (16. Juni 1957)

Kein Wölkchen ist am Himmel als wir um 6h00 aufbrechen. Der Harsch trägt uns der Moräne entlang hinein. Unsere beiden Postläufer, die um 4h00 schon weg sind, müssen heute ein herrliches Wandern haben. Wir gehen diesmal etwas nördlicher über den Gletscher um den vielen, bereits entstandenen Seen auszuweichen. Um 7h00 steigen wir bereits den Hang hinauf. Am Beginn der Rinnen legen wir die Eisen an. Qader geht zwar etwas hastig, aber für einen Neuling ausgezeichnet. Unter dem Schluf nehmen wir ihn ans Seil, da hier teilweise der Harsch sehr glatt ist. Um 8h30 sind wir auf der Kanzel und halten eine längere Rast. Eine gute Stunde dauert es dann zum Lager I. Hier spürt Qader den Luftmangel. Während wir des Lager abbrechen, können wir den majestätischen Flug von 5 Steinadlern beobachten, die 200 m über uns dem K2 zuziehen. Wir haben sie schon öfters beobachtet. Um 12h00 steigen wir ab. Qader ist am Seil. Das letzte Stück rutschen wir. Qader ist begeistert. In der Rinne konnte ich auf den Steigeisen abrutschen. Um 13h00 stehen wir auf dem Gletscher unten und packen unsere ziemlich schweren Lasten um. Zu unserem Glück ist es nun wieder bewölkt, so brechen wir auf dem Heimweg nicht so tief ein. Um 14h30 erreichen wir bei leichtem Schneetreiben das Basislager.

(17. Juni 1957)

Am 17. wecken uns Hermann und Kurt als sie um 4h30 zum Aufbruch sich fertig machen. Um 5h45 gehen sie weg. Marcus und ich folgen um 7h00. Es ist ein herrlicher Tag und ich mache wieder zahlreiche Fotos. Bei unserem Seesack angelangt, sehen wir die beiden erst im Schluf. Wir bringen alles herüber und mit Ausnahme eines Hochzeltes alles ins Basecamp. Hier richten wir alles für unsere morgige Tour her, die uns in den Savoja Gletscher führen soll. Zu Mittag haben die beiden das Lager I noch nicht verlassen. Ich finde das sehr ungünstig, da es am Nachmittag im Westhang sehr heiß ist.

Skil Brum (18. Juni 1957)

Wir haben einen herrlichen Morgen. Um 4h00 gehen Marcus und ich weg. Es ist ein wunderbares Gehen. Bis zum Ende des Savoja Gletscherbruches tragen wir die Schi, dann schleifen wir zum Beginn des Korridor 400 [mbar] /5.400m 8h00. Nach einstündiger Rast geht es weiter. Langsam wird es heiß, wir geraten in Schweiß. Um 11h00 machen wir Mittagspause in einer schattigen Spalte 387 [mbar] /5.660m. Wir kochen und bereiten uns auf eine lange Rast vor. Doch kurz nach Mittag bewölkt sich der Himmel, es wird kühler. Wir rüsten zum Aufbruch. Um 13h00 ziehen wir unsere Spur weiter. Der Korridor wird nun steiler, wir sind gezwungen Kehren zu machen. Riesige Spalten durchqueren den ganzen Hang, aber immer sind kleine Brücken da, auf denen wir mit den Schiern bequem hinüber können. Um 15h00 erreichen wir die große Mulde 366 [mbar] /6.060m hoch. In einer riesigen Querspalte, die an die 40m breit und 20m tief ist, stellen wir unser Zelt auf. Es ist ein warmes, gemütliches Plätzchen, wo wir einen angenehmen Nachmittag verbringen. Schon um 17h00 begeben wir uns zur Ruhe.

Skil Brum 7.420m [7.360m] (19. Juni 1957)

Keine Wolke ist am Himmel als wir um 4h15 unser Zelt verlassen. Wir gehen bis unter den großen Hang mit den Schiern. Um 5h30 überschreiten wir die Randkluft. Ein über 45° steiler Hang führt uns 500 m hinauf auf den Grat. Es ist kalt, wir erwarten gerne die Sonne. Mitten im Hang muß ich nach rechts ausweichen. Um 10h00 erreichen wir den Grat 327 [mbar] /6.900m hoch. Nun spurt in der Hauptsache Marcus zum Gipfel. Es ist ein elendiger Schinder und es geht einfach kein Ende her. Bis über die Knie stecken wir im Schnee. Beim Nachgehen sinke ich ob meines größeren Körpergewichtes tiefer ein. Dann stehen wir knapp unter dem Grat. Mühsam geht es durch den enorm steilen Schneehang empor. Dann den Grat hinüber, ganze Schneeflächen stürzen ein, um 16h00 stehen wir auf dem Gipfel. 12 Stunden für 1.350m, ein wahrhaftiger Schinder. Bis zur Scharte rutschen wir auf dem Hintern hinunter. Dann seilen wir uns an, zahlreiche Spalten überschreiten wir, zuletzt einen über 50° steilen Hang. Steigeisenfehler [Bruch], anschließend wunderbare Abfahrt zum Zelt.

Zeltplatz - Basislager (20. Juni 1957)

Schon früh erwache ich heute. Um 6h00 wecke ich Marcus, der zum Kochen beginnt. Es gibt Sanddornsaft und Ovomaltine. Um 7h00 haben wir bereits das Zelt abgebaut und brechen auf. Eine wunderbare Abfahrt beginnt. Der Schnee ist so einmalig, dass wir trotz der Höhe die schweren Lasten nicht spüren. In einer ¾ Stunde sind wir beim Bruch des Savoiagletschers und hinterlegen dort das Zelt mit Zubehör. Um 8h35 sind wir wieder im Basislager.

Den ganzen Nachmittag ist Kurt mit dem Packen seines Rucksackes beschäftigt. Auf unsere Frage teilte er uns [mit], 8 - 10 Tage in das Gebiet des Gasherbrums zu gehen, um dort zu fotografieren und das Gebiet für eine weitere Expedition zu erkundigen. Allein geht er am Abend, ohne die Erlaubnis von Marcus zu haben, weg. Marcus kann unmöglich die Verantwortung für ein solches Alleinunternehmen geben, denn zu leicht kann dabei etwas passieren. Hermann erklärt er übernehme die Verantwortung. Uns soll das recht sein.

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Text unten: Hermann Buhl (Primärquelle: handschriftliche Notiz an den Expeditionsleiter, Marcus Schmuck)

Handschriftliche Notiz 21. Juni 1957 an Marcus Schmuck

Lieber Markus [Marcus]!

Da ich Kurt nicht allein lassen wollte, ging ich ihm heute früh nach. Komme in 5 - 7 Tagen mit Kurt wieder. Ihr könnt inzwischen Arbeitsgebiet Savojagletscher [Savoiagletscher] fertig machen. Heil Euch und viel Glück! Herzlichst Dein Hermann. 21. 06. 57 - 5h morgens in der Küche.

 

Text unten: Hermann Buhl (Sekundärquelle: Achttausend drüber und drunter, Malik, München, 2005, Seite 342, ISBN 3890293034)

Freitag 21. ½ 6 Uhr früh Aufbruch mit 35 kg Rucksack zum Gasherbrum Gletscher, nachmittags mit Kurt zusammengetroffen, um 7 Uhr Zelt im Hintergrund des Gletschers aufgestellt. Wetter herrlich, Höhe 5000m.

Sonnabend 22. ½ 10 Uhr Abmarsch mit Verpflegung und einem Teil der Ausrüstung zur Chogolisa in Richtung Kaberisattel, 1 Std. zum Beginn der Steilhänge, Gletscher unheimlich zerrissen, heiß, aber bewölkt, um 3 Uhr am Schneegrat in 5500 m Depot und Abstieg, ½ 8 Uhr im Lager, Schnee miserabel, großartige Stimmungen. Für nächsten Tag Aufbruch um 4 Uhr gedacht, mache Kurt für Wecken verantwortlich.

Sonntag 23. Kurt lässt sich wieder von mir um ½ 4 Uhr früh wecken, schwere Auseinandersetzung deswegen, Wetter schlecht, leg mich wieder hin. 2. schwere Auseinandersetzung mit Kurt [wegen] essen, Orangenmarmelade fast zur Gänze gegessen. Kurt macht mir Vorwurf, zu wenig Verpflegung getragen zu haben, ist unerhört frech, Wetter den ganzen Tag schlecht, im Zelt, spreche nichts mehr mit Kurt, der Fall ist für mich erledigt.

Montag 24. 3 Uhr früh auf, Kurt reißt sich schwer zusammen, ½ 5 Uhr mit Zelt etc. weg, leichter Schneefall, Wetter nicht bes., gut in Form, 7 Uhr 30 am Depot 5500 m. Mit Depot, Rucksack ca. 25 kg weiter über Sporn bei knietiefem Schnee, alles gespurt bis Kaberisattel, 6360 m, um 17 Uhr Lager errichtet, alles m. Fahnen markiert, Kocher geht nicht recht.

Dienstag 25. Bis 10 Uhr im Schlafsack, dann gekocht, 13 Uhr Lager abgebaut und angestiegen. Am Fuß des Firngrates d. 1. Aufschwunges in 6400 m Depot hinterlassen. Wetter schlecht, um ½ nach

6 Uhr an der Scharte dort Zelt errichtet, Kocher geht diesmal gut. 6700 m.

Mittwoch 26. Gut geschlafen, morgens Kopfweh wegen Sauerstoffmangel, bis 10 Uhr im Schlafsack, Nebel, starker Wind.

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Am 28. Juni 1957 kommt Kurt Diemberger allein ins Basislager zurück und berichtet, dass Hermann Buhl am 27. Juni 1957 auf der Chogolisa abgestürzt ist. Sekundärliteratur

 

Text unten: Kurt Diemberger (Primärquelle: Abschrift des Protokolls über den tötlichen Unfall Hermann Buhls)

Hauptlager am 28. Juni 1957, 16Uhr 30. Um 16Uhr 30 kommt Kurt Diemberger allein und sehr erschöpft ins Hauptlager und gibt folgenden Bericht.

Am 20. Juni verließ ich am Nachmittag das Basislager um 17Uhr, mit der Absicht fotografisch am oberen Baltorogletscher tätig zu sein und wenn möglich einen Berg zu besteigen. Gegebenenfalls sollte Hermann Buhl, wenn es im [ihm] besser ginge, nachkommen. Um 10Uhr abends errichtete ich am oberen Konkordiaplatz [Concordiaplatz] das Zelt. Am nächsten Tag ging ich indem ich Markierungsfähnchen steckte bis zum Lager IV der IHE 1934 [Internationale Himalaja Expedition], wobei mich kurz vorher Hermann Buhl einholte. Wir querten zur südlichen Moräne hinüber und stellten hier das Zelt auf (5000m). Am 22. Juni war das Wetter wolkig geworden. Wir trugen Verpflegung und Ausrüstung bis auf 5500m, auf den großen Schneebrücken der vom Kaberisattel herunterzieht, wobei ein wilder Eisbruch zu durchqueren war, und errichteten dort ein Depot. Der 23. Juni war Rasttag.

Am 24. waren wir in ausgezeichneter Verfassung und stiegen mit den ganzen Sachen für ein Hochlager bis auf 6300m (Lager I), wobei wir auch das Depot mitnahmen. Alles spurte Hermann Buhl. Wir markierten den ganzen bei Nebel schwer zu findenden Weg (viele Mulden und Spalten)  mit Fähnchen zur Sicherung eines Rückzugs bei Schlechtwetter.  Der Schnee war tief und kostete anstrengende Spurarbeit. Am 25. Juni querten wir hinüber zum Beginn des Grates des Gipfels am SO-Grat der Chogolisa. Wir errichteten ein kleines Nahrungsmitteldepot in einem Zeltsack, dann stiegen wir über den Schneegrat bis auf eine Schulter (Sattel) und errichteten in 6700m Lager II. Am 26. Juni wollten wir eine Spur auf den Gratgipfel legen, um uns den Gipfelangriff zu erleichtern. Eisiger Sturm zwang uns aber 50m über dem Sattel zur Umkehr. Wir freuten uns sehr, denn der Höhenmesser war gefallen, ein Zeichen für Wetterbesserung. Am Abend wurde es dann tatsächlich schön und wir trafen alle Vorbereitungen für den nächsten Tag.

Am 27. Juni (Donnerstag) wollte ich um 2Uhr 30 aufstehen, aber Hermann erklärte, dass sei der großen Kälte und seines Fußes wegen zu bald. Er war für 5Uhr Abmarsch. Um 4Uhr 45 gingen wir los. Der Wind hatte stellenweise den Grat abgeblasen, größtenteils kostete er aber anstrengende Spurarbeit. Das Steilstück bis knapp unter die Höhe des Gratgipfels spurte zum größten Teil ich. Bis in die Scharte hinter den Gratgipfel ging nun Hermann voraus. Das letzte Stück fast auf der Gratschneide war sehr unangenehm, schwierig und ausgesetzt und zum Teil schneebrettgefährlich. Um 9Uhr waren wir in der Scharte 7000m hoch. Längere Rast und Essen. Hermann massiert seinen Fuß. Das Wetter war bei uns prachtvoll, nur in den Gebieten außerhalb der Baltoroberge war es wolkig. Der Weg zum zirka 600m höher gelegenen Gipfel war zur Gänze zu sehen und schien uns ohne weiteres gangbar. Wir wollten der Aussicht wegen bald oben sein. Hermann sagte, jetzt gehen wir ohne Seil. Es ging nur langsam vorwärts, erst spurte ich ein größeres Stück, später wechselten wir uns ab. Hermann befand sich in ausgezeichneter Form und erklärte, so gut sei es ihm auf der Expedition noch nie gegangen. Knapp unter der 7300m Grenze wurden wir eingenebelt. Wind kam auf und artete um 13Uhr zu einem Sturm aus, der von Schneeschauern begleitet wurde. Die Sicht wurde sehr schlecht. Wir entschlossen uns um 13Uhr in 7300m zur Umkehr, wobei Hermann bemerkte, jetzt müssen wir umkehren, der Wind verbläst uns die Spuren, wir sehen nichts und kommen vielleicht den Wächten zu nahe (sinngemäß). Er hatte zuletzt geführt, so stieg ich als erster ab. Schon nach kurzer Zeit konnte ich unsere Aufstiegsspur kaum mehr erkennen. Links von mir sah ich nur ganz schwach den Wächtenrand (Waschküche). Von Zeit zu Zeit schaute ich zurück zu Hermann, der mir in 10m Abstand folgte.

Plötzlich spürte ich ein Vibrieren der Schneefläche, sah gleichzeitig kleine Stücke vom Wächtenrand abbrechen und sprang im selben Augenblick in zwei drei Sätzen nach rechts. Ich wunderte mich darüber und entschloss mich ohne Rücksicht auf die kaum noch sichtbare alte Spur weiter rechts zu gehen. Der Abstieg erforderte meine ganze Konzentration, da auf der rechten Seite Schneebrettgefahr herrschte (zirka 35 Grad Neigung). Ich dachte mir, nun muss ich dem Hermann sagen, da oben habe ich Glück gehabt. Ich sah mich um und sah niemand. Ich dachte nicht im Entferntesten daran, dass die Vibration die ich spürte, die Auswirkung eines großen Wächtenabbruches hinter mir war. Ich wartete eine Weile auf Hermann, doch er kam nicht, was mich sehr verwunderte. Ich konnte die Spur nach oben ein großes Stück nicht einsehen, da hier der Hang ein leichter Rücken war. Die Sicht war in diesem Moment besser. Auf mein Rufen erhielt ich keine Antwort. Plötzlich kam mir der Gedanke, Hermann wird doch nicht mit der Wächte abgestürzt sein, das ist doch hinter mir in der Spur ganz unmöglich. Ich hastete den Hang hinauf und hoffte ihn beim Anziehen der Steigeisen oder sonst einer Tätigkeit anzutreffen. Als ich den ganzen Schneehang einsah und Hermann nicht da war, dachte ich mir, jetzt ist etwas passiert. Ich dachte mir, es gibt zwei Möglichkeiten, die Wächte oder der Schneehang. Ich suchte nach einer Rutschspur in der Flanke, aber es war keine vorhanden. Dann ging ich ein Stück höher und sah, dass die Spur in den Abbruch der Wächte hinausführte. Wie kam ich darüber und der viel leichtere Hermann nicht? Ich sah mich vor Erregung nicht nach den Spuren um und dachte nur einen Punkt zu erreichen, von dem ich einen Einblick in die Wand habe. Soweit ich sehen konnte war der ganze Grat überwächtet und man konnte nicht hinuntersehen. Die Sicht war zeitweise sehr gut, man sah bis zu dem Gratgipfel. Dieser schien mir die einzige Stelle die Einblick geben konnte. So schnell als möglich erstieg ich ihn. Ich überblickte gut die Wand unterhalb des Wächtenabbruches, sah Spuren eines Schneerutsches, aber von Hermann nichts. Ich wollte nun die Wand absteigen, sah aber keine Möglichkeit wo ich dies alleine und ohne Seilhilfe hätte tun können. Meiner Meinung nach musste Hermann mindestens 300m gefallen und gerutscht sein und entweder in einer Spalte oder unter den Schneemassen liegen. Ich sah nur eine Möglichkeit der Rettung, möglichst schnell die Kameraden zu holen. Ich war physisch und psychisch sehr erschöpft und unter größter Anstrengung erreichte ich um 16Uhr das Lager II. Dabei musste ich den ganzen Weg frisch spuren, bei schlechtester Sicht. Einmal ging ein Schneebrett über mich hinweg, wobei ich großes Glück hatte. Für den Fall, dass Hermann irgendwie durch ein Wunder zum Zelt kommen sollte, hinterließ ich die Nachricht: „Komme mit Hilfe.“ Ich packte das Nötige für ein Biwak ein und machte mich auf den Weg, denn es war mir klar, dass es hier auf Stunden ankommt. Die Sicht war sehr schlecht und mehrmals hätte ich fast Schneebretter ausgelöst. Ich erreichte immer knietief spurend das Depot und holte mir den Biwaksack und ein wenig Verpflegung. Die Markierungsfähnchen waren alle eingeschneit und schauten nur 3-4cm aus dem Schnee heraus. Sie waren sehr schwer zu finden, so dass ich manchmal die Route verlor. Ich mühte mich zuletzt mit der Taschenlampe bis auf 5500m hinunter, wo ich um 22Uhr ankam (1. Depotplatz) und hier biwakierte. Am 28. Juni ging ich um 6Uhr 30 los und erreichte das Basislager um 9Uhr 30. Der Eisbruch hatte sich verändert und viele Stellen waren einsturzgefährdet. Ich hinterließ alles beim Basislagerzeltplatz und ging so schnell als möglich zum Broad Peak Basislager, wo ich um 16Uhr eintraf. Der Schnee war weich, so dass ich dauernd einbrach und sehr müde ankam, zeitweise schneite es. N.P. Vom Gratgipfel konnte ich die Spuren genauer beobachten und feststellen, dass Hermanns Spur bei einer Biegung meine Spur verließ und gerade weiterführend in den Wächtenabbruch führte (Foto).

Für die Richtigkeit der Angabe: Kurt Diemberger aufgenommen: Fritz Wintersteller Bei Angabe und Aufnahme anwesend und zur Gänze in Kenntnis genommen: Marcus Schmuck 28.6.1957 Das Original mit den Unterschriften befindet sich in meinen Händen (gez. M. Schmuck 14.7. Skardu)

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